Stress

Stressbewältigung (Lesedauer: 4 Minuten)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Häufigste Ursache: der Beruf. Doch auch viele andere Lebensbereiche können erheblichen Stress auslösen. Für nahezu alle psychischen Störungen – ebenso wie für chronische Schmerzen – gilt Stress als wesentlicher Faktor. Ohne dessen Reduktion bleibt eine nachhaltige Heilung oft schwierig. Grund genug, das Thema genauer zu betrachten.

Was ist Stress?

Stress bedeutet wörtlich Anspannung – und beschreibt zunächst einen nützlichen Vorgang: Bei neuen oder herausfordernden Situationen schüttet unser Körper Hormone aus, um sich blitzschnell auf diese Anforderungen einzustellen. Stress kann also helfen, Herausforderungen zu bewältigen.

Unsere Vorfahren lebten ständig in Gefahr – schnelle Reaktionen waren überlebenswichtig. Wer zu lange zögerte, überlebte oft nicht. Heute sehen unsere „Gefahren“ anders aus: Sie sind abstrakter, meist nicht lebensbedrohlich, dafür aber dauerhaft präsent.

Und genau hier liegt das Problem: Unser Körper ist auf kurze Stressreaktionen mit anschließender Erholung ausgelegt. Doch Dauerstress ohne ausreichende Entspannung belastet das Nervensystem massiv – und steht im Zusammenhang mit vielen weitverbreiteten Erkrankungen.

Die 3 Ebenen des Stresserlebens (nach Kaluza)

Der Psychologe Gert Kaluza schlägt ein Modell vor, um Stress gezielter zu verstehen und zu beeinflussen – vergleichbar mit einer Ampel:

1. Stressoren: „Ich gerate in Stress, wenn …“

Ziel: reduzieren!

Welche konkreten Situationen lösen bei mir Stress aus? Das können äußere Belastungen wie Konflikte, Überforderung, Termindruck oder finanzielle Sorgen sein. Da sich Stress „aufsummiert“, können auch viele kleine Belastungen zusammengenommen zu großem Stress führen. Selbst scheinbare Kleinigkeiten sollten ernst genommen werden.

 

2. Stressverstärker: „Ich setze mich selbst unter Stress, indem …“

Ziel: umdenken!

Nicht nur äußere Faktoren, sondern auch unsere inneren Einstellungen und Bewertungen beeinflussen das Stresserleben. Stressverstärkende Gedanken sind z. B.:

  • „Ich muss es perfekt machen!“

  • „Ich darf keine Fehler machen!“

  • „Ich muss alles alleine schaffen!“

  • „Wer Pausen macht, ist faul!“

  • „Ich mache erst Schluss, wenn alles erledigt ist!“

Diese Denkmuster setzen uns zusätzlich unter Druck. Die gleiche Situation (z. B. ein Berg unerledigter Aufgaben) kann je nach Bewertung völlig unterschiedlich erlebt werden:

  • „Egal, das mache ich morgen.“ → Entspannung

  • „Ich darf nichts liegen lassen!“ → Stress

Fragen Sie sich: Welche persönlichen Glaubenssätze treiben mich an? Muss ich wirklich jeden Tag 100 % leisten – oder reichen auch 70 %?

 

3. Stressreaktionen: „Wenn ich im Stress bin, dann …“

Ziel: gezielte Erholung!

Wie verhalte ich mich unter Stress? Viele Menschen greifen zu kurzfristigen Ablenkungen wie Fernsehen, ungesundem Essen oder sozialem Rückzug. Diese Aktivitäten wirken scheinbar entlastend, erhöhen aber oft den Stress langfristig.

Besser: aktive Stressbewältigung, z. B. durch Bewegung, Spaziergänge, Entspannungsübungen, Atemtechniken oder soziale Kontakte.

StressorenStressverstärkerStressreaktionen
Konflikte (privat/beruflich)„Ich muss es perfekt machen!“Ungesundes Essen
Trennungen, Todesfälle, Krisen„Ich muss es alleine schaffen!“Viel Fernsehen
Krankheit„Fehler sind verboten.“Schlafprobleme
Umzug, Prüfungen, Berufswechsel„Ich mache erst Schluss, wenn alles erledigt ist.“Rückzug
Neue Lebensabschnitte„Wer Pausen macht, ist faul.“Wut, Resignation, Frust
Finanzielle Sorgen„100 % Leistung immer!“
Alltagsprobleme, Weltnachrichten„Ich darf mir keine Schwäche erlauben.“

Fazit: Wir haben mehr Einfluss, als wir denken

Viele Menschen glauben, sie hätten keinen Einfluss auf ihr Stresserleben – doch das stimmt nicht. In allen drei Bereichen (Stressoren, Stressverstärker, Stressreaktionen) gibt es konkrete Möglichkeiten zur Veränderung:

  • Reduzieren Sie äußere Belastungen.

  • Hinterfragen Sie belastende Denkweisen.

  • Schaffen Sie aktive Erholungsphasen.

Entscheidend ist: Stress und Erholung müssen sich die Waage halten. Nur so kann langfristig verhindert werden, dass psychische oder körperliche Beschwerden entstehen – oder chronisch werden.

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